Zur Notation: Ereignisse der Berliner Geschichte sind weiß hervorgehoben, Ereignisse in Brandenburg grün geschrieben.

um 0
Germanische Semnonen, Burgunder, Vandalen und Langobarden siedeln bis zur Völkerwanderung im Raum Brandenburg.
7. Jh.
Während der Völkerwanderung ziehen verschiedene slawische Stämme in das nahezu menschenleere, Brandenburger Land, u. a. die Obodriten, Lutizen, Heveller und Sorben; die slawischen Stämme werden auch als Wenden bezeichnet.
um 720
Zwei Slawenstämme besiedeln den Berliner Raum: die Heveller lassen sich an der Havel nieder mit dem Zentrum in Brennabor (dem späteren Brandenburg), die Sprewanen fassen an der Spree Fuß mit dem Hauptsitz in Köpenick.
um 750
Die Heveller gründen einen weiteren Herrensitz mit nahegelegener Siedlung an der Havel namens Spandow (Spandau); Spandau gilt als erste städtische Siedlung im Berliner Raum. Auch Potsdam wird zu dieser Zeit befestigt.
789
Karl der Große führt Krieg gegen die Slawen östlich der Elbe.
806
Konflikte zwischen den Elbslawen und ihren deutschen Nachbarn enden 808/809 in der Unterwerfung der Sorben durch Karl den Großen.
928/29
Der deutsche König Heinrich I. nimmt Brennaburg (Brandenburg) ein; es werden die Bistümer Brandenburg und Havelberg gegründet, um die heidnischen Slawen zu bekehren.
932 und 955
Es kommt zu Aufständen der Slawen.
983
Die slawischen Stämme erkämpfen im sogenannten Lutizenaufstand wieder ihre Unabhängigkeit.
Ende 10. Jh.
Die Sprewanen geraten unter polnischen Einfluß; erst nach 1032 ziehen sich die Polen wieder zurück.
1134
Albrecht von Ballenstedt (der Bär), aus dem Geschlecht der Askanier, wird vom Kaiser mit der Nordmark belehnt (Mark bedeutet Grenzland) und ist damit unmittelbarer Nachbar des brandenburgischen Raumes.
1147
Sogenannter Wendenkreuzzug deutscher Territorialherren.
1150
Albrecht der Bär, der als Erbe des letzten, christlichen Hevellerfürsten Pribislaw eingesetzt war, besetzt das Hevellerland; somit wird Spandau zu einer deutschen Grenzfestung.
Mitte 12. Jh.
In einer ersten Siedlungswelle holt Albrecht der Bär Bauern aus der deutschen Rheingegend, aber auch aus Holland und Flandern in das Havelland.
1153
Der Sprewanenfürst Jaxa (Jocsa) von Köpenick, ein Neffe Pribislaws, erhebt Anspruch auf Brandenburg und erobert es mit polnischer Hilfe.
1157
Albrecht der Bär erstürmt die Brandenburg und nennt sich seitdem Markgraf von Brandenburg; Jaxa muß fliehen.
um 1170
Wahrscheinlich bauen Kaufleute sichere Orte für die Rast und zum Überwintern auf der Cöllner und Berliner Uferseite, sogenannte "Staumärkte"; aus diesen paar Holzhütten werden in 50 Jahren die Schwesterstädte Berlin und Cölln gewachsen sein. [Cöllner Seite: Ausgrabungen Breite Straße Ecke Mühlendamm in Berlin Mitte legten Hausgrundrisse frei, deren Hölzer um 1171 gefällt und verarbeitet worden waren. Berliner Seite: Friedhof unter der Nikolaikirche.] Es wird vermutet, dass eine Festungsanlage auf der Berliner Spreeinsel, bezeichnet als markgräflicher "euria" ("Alter Hof"), die beiden Siedlungen schützt.
1175
Spandau wird stärker befestigt; es bleibt lange der Ausgangspunkt für weitere Einfälle in die östlichen Gebiete (z. B. 1180 gegen Pommern).
1197
Erste urkundliche Erwähnung Spandaus.
1210
Zwischen Pommern, Brandenburgern, Meißnern, dem Erzbischof von Magdeburg und den schlesischen Herzögen entflammt ein Krieg um den Berliner Raum.
um 1220
Zu dieser Zeit werden wahrscheinlich die landesherrlichen Mühlen am ältesten, festen Übergang (Mühlendamm) zwischen den Siedlungen beiderseits der Spree (Berlin und Cölln) errichtet. Zum ersten Mal werden die Mühlen jedoch erst 1260 erwähnt, später nochmal am 2. Januar 1285.
um 1220
Es entstehen die Dörfer Karow, Rosenthal, Pankow und Lübars.
1220
Johann I. und Otto III. regieren gemeinschaftlich die Mark Brandenburg.
um 1230
Die Nikolaikirche wird erbaut; sie ist Berlins erste Steinkirche. Zu dieser Zeit erhält Berlin wahrscheinlich auch das Stadtrecht.
1232
Spandau erhält das Stadtrecht.
1. Hälfte 13. Jh.
Die Petrikirche auf der Cöllner Spreeinsel wird erbaut.
28.10.1237
Erste urkundliche Erwähnung von dem auf der Spreeinsel gelegenen Cölln. Dieses Datum gilt als Geburtstag Berlins.
1238
Es finden die entscheidenden Kämpfe um die Berliner Gebiete statt: sie halten bis 1245 an und enden mit dem Sieg der Brandenburger; die Meißner verlieren unter anderem die Burgen Köpenick und Mittenwalde, außerdem gaben Magdeburger und Pommern ihre Eroberungsversuche auf.
1239
Die Dörfer Lankwitz und Lietzow finden das erste Mal Erwähnung.
1. Hälfte 13. Jh.
Die Templer erhalten Besitztümer im Berliner Raum und werden vor allem mit militärischen Aufgaben betraut. Der Sitz des Ordens liegt im Tempelhof; in seinem Besitz befinden sich außerdem die Dörfer Mariendorf und Marienfelde.
um 1230-1250
Im Zuge der ersten Berliner Stadterweiterung fällt wahrscheinlich der "Alte Hof" in das Stadtgebiet und verliert damit seine ursprüngliche Schutzfunktion; es entsteht ein zweites Marktviertel (in dessen Kern wird um 1270/71 die Marienkirche erbaut).
1242
Buchholz, Slatdorp und Zehlendorf werden erwähnt.
1244
Erste urkundliche Erwähnung Berlins als größere Schwesterstadt von Cölln.
1244
Das Dorf Stralau wird genannt.
1247
Es wird ein Magister Hermanus de Templo genannt; der Tempelhof südlich von Cölln besteht also bereits.
vor 1249
Gründung des Berliner Konvents der Franziskaner.
um 1250
Barnim, Teltow, Templin und die nördliche Uckermark fallen unter deutsche Herrschaft.
um 1250
Zumindest ostwärts wird Berlin mit einer neuen Stadtmauer versehen; wie weit Berlin und Cölln vorher befestigt waren, ist nicht genau bekannt.
um 1250
1. Kirchenbau der Franziskaner: Saalbau aus Feldsteinen auf einem dem Orden zur Verfügung gestellten Platz an der östlichen Stadtmauer.
13. Jh.
Richardsdorf (später Rixdorf, heutiges Neukölln) wird von den Templern an der Stelle des heutigen Richardplatzes gegründet.
13. Jh.
8 km südlich von Beeskow wird in Friedland eine Wasserburg errichtet.
1251
Berlin erhält Zollfreiheit innerhalb der Mark (Brandenburg).
1251
Die Dörfer Weddige und Krummensee werden erwähnt.
1252
Ein Provinzialkapitel der Franziskaner tagt in Berlin.
1253
Das älteste Siegel Berlins zeigt den markgräflichen Adler vor einem dreitürmigen Stadttor. Es befindet sich unter einer Urkunde, in der Frankfurt (an der Oder) vom Markgraf Johann I. mit dem Berliner Recht ausgestattet wird. [Text des Dokuments]
1258
Aus wirtschaftlichen Gründen und um Erbstreitigkeiten zu verhindern teilen Johann I. und Otto III. die Mark untereinander auf: Berlin und Cölln fallen an Otto III. (Die Teilung erfolgte nicht territorial, sondern nach Erträgen und Vasallen.)
1260
Es werden ein landesherrschaftlicher Besitz ("aula") neben dem Grauen Kloster, in der Klosterstraße, sowie mit Wasserkraft betriebene Mühlen erwähnt, die sich im Besitz des Landesherrn befinden.
1264
Das Dorf Schöneberg wird das erste Mal genannt.
1265
Es findet ein Ritter von Rosenfelde Erwähnung, womit das Dorf Rosenfelde zum erste Mal erscheint; es wird 1700 in Friedrichsfelde umbenannt.
1266
Johann I. stirbt und seinen Teil der Mark wird wiederum unter seinen Söhnen Johann II., Otto IV. (später "mit dem Pfeile") und Konrad I. aufgeteilt.
1267
Auch Otto III. stirbt und sein Teil von Brandenburg fällt ebenfalls an seine Söhne: Johann III., Otto V. (der Lange), Otto VI. (der Kleine) und Albrecht III.
1267
Das Dorf Kladow wird erwähnt.
um 1270-1271
Die Marienkirche wird erbaut.
1271
Ein Platz (ein Teil der "aula"), wird dem Orden der Franziskaner durch die Markgrafen Otto V. und Albrecht III. zu ewigem Besitz geschenkt. Die Franziskaner errichten hier aus Backstein eine dreischiffige Pfeilerbasilika.
18.06.1272
Der Armenhof zum Heiligen Geiste und das Georgenhospital werden erstmals indirekt in dem Gildenbrief an die Bäcker erwähnt. [Text des Dokuments]
1272
Die Benediktinerinnen des Klosters Spandau erwerben das Dorf Gatow an der Havel; es wird damit erstmals in einer Urkunde erwähnt.
1275
Das Stift der Benediktiner in Koswig übernimmt das Patronat der Kirchen von Dahlem und Schmargendorf.
1277
Die Brandenburger Markgrafen Otto IV. und Johann II. versuchen, ihren jüngeren Bruder Erich, der geistlichen Standes war, auf den Magdeburger Erzstuhl zu bringen, als nach dem Tod von Erzbischof Konrad von Sternberg die Neuwahl anstehen. Doch die Askanier werden von einem Bürgeraufstand aus der Stadt vertrieben, Otto IV. vorübergehend in Haft genommen und Günter von Schwalenberg wird zum Erzbischof gewählt. Daraufhin kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Brandenburger Markgrafen und den beiden Erzbischöfen von Magdeburg: Günter von Schwalenberg und Bernhard von Wölpe.
Sommer 1278
Im Zuge der Fehde belagert Otto IV. erfolglos die Stadt Staßfurt. Dabei wird er von einem Pfeil verletzt, der in den Schädelknochen eindringt und sich nicht entfernen läßt; seitdem trägt er den Beinamen "mit dem Pfeile".
22.03.1280
In einer Urkunde wird die Zunft der Kürschner vom Berliner Rat bestätigt. [Text des Dokuments] Das Siegel dieser Urkunde zeigt zum ersten Mal die Abbildung zweier Bären. Das Aufkommen des Bären, als redendes Wappen für die Stadt "Bärlin", kann als aufkommender Lokalpatriotismus und zunehmendes bürgerliches Selbstbewußtsein gedeutet werden.
Sommer 1280
Die Fehde zwischen den Brandenburger Markgrafen und den Erzbischöfen von Magdeburg wird beigelegt.
um 1280
2. Kirchenbau der Franziskaner: bei dem Ausbau wird die Nordwand des bisherigen Saalbaus einbezogen; es wird eine dreischiffige Basilika aus Backsteinmauerwerk errichtet.
18. August 1280
In Berlin findet der erste märkische Landtag statt, bei dem neben dem Markgrafen Otto V., des Langen, sowie seiner jüngeren Brüder Albrecht III. und Otto VI. der gesamte Adel der Altmark, des Prignitz und der Mittelmark teilnimmt. In einem Vertrag vereinbaren die Vasallen mit dem Landesherren, dass die "Bede" im ganzen Land abgeschafft wird (bei der Bede, handelt es sich um eine Sondersteuer, die der Landesherr von seinen weltlichen und geistlichen Lehnsherren erbitten konnte, wenn besondere Ausgaben zu tätigen waren). Außerdem werden die Vasallen zum Befestigungsbau verpflichtet. Die Urkunde nennt 57 Vasallen als Teilnehmer, die tatsächliche Zahl beläuft sich etwa auf das Doppelte.
1280
Markgraf Otto IV. von Brandenburg läßt in Berlin eine Münze einrichten, die bald zur größten in der Mark wird. Der Münzmeister, der die Prägestätte verwaltet, wird vom Margrafen eingesetzt.
1283
Der askanische Erich gelangt doch noch auf den Magdeburger Erzstuhl.
02.06.1284
Der Berliner Stadtrat bestätigt der Zunft der Schuhmacher seine Privilegien. [Text des Dokuments]
02.01.1285
Die Berliner und Cöllner Bürger sowie die Bewohner der umliegenden Dörfer werden verpflichtet, ihr Getreide in den Mühlen des Landesherrn gegen Entgelt mahlen zu lassen. Hiermit werden die landesherrlichen Mühlen, die sich am Mühlendamm befinden, erwähnt; sie bestehen aber wahrscheinlich schon ab 1220.
1288-1311
Wie aus dem Hamburger Schuldbuch von 1288 bis 1311 hervorgeht, herrscht reger Handel zwischen der Stadt Hamburg und Berlin; als Haupthandelsgüter werden Getreide und Holz genannt, wofür Berlin im Gegenzug Tuche aus Flandern erhält, die über Hamburg nach Berlin gebracht werden. Der Wiederaufbau Hamburgs nach dem Brand von 1290 soll mit "märkischem Eichenholz" erfolgt sein.
10.04.1288
Der Berliner Rat bestätigt die Privilegien der Zunft der Schneider.
29.05.1289
Der Zunft der Tuchmacher und Wollweber werden ihre Privilegien durch den Berliner Stadtrat bestätigt.
1290
Der Ritter Jacob von Rebede schenkt dem Franziskanerorden eine zwischen Tempelhof und Cölln gelegene Ziegelei.
08.09.1290
Das Dorf Tempelhof, dessen Namensgeber der Orden der Tempelherren ist, wird in einer Schenkungsurkunde für die Berliner Franziskaner genannt.
1297
Das Dominikanerkloster wird auf der Cöllner Spreeinsel am Ende der Brüderstraße erbaut; es ist auch als "Kloster der Schwarzen Brüder" bekannt.
28.10.1298
Otto IV. bestätigt Berlin und Cölln das Markt- und Stapelrecht, womit die Doppelstadt zu einer "Niederlage" wird; sie besitzt damit das Privileg, das jede Warenladung, welche die Doppelstadt passiert, entladen und den Bürgern zum Kauf angeboten werden muß. Jahrmärkte, die in Berlin am 1. Mai (Walpurgis), am 14. September (St. Crucis) und 1. November (Allerheiligen), in Cölln am 10. August (St. Laurentius) und 11. November (St. Martin), abgehalten werden, bringen der Stadt bedeutende Einnahmen. Jeder Standinhaber muß anfangs nur für den Stand, später auch für jede einzelne Ware, Abgaben entrichten; die Abgaben sind für auswärtige Händler wesentlich höher als für Berliner Bürger.
bis 1298
Berlin und Cölln erwerben den landesherrlichen Grundstücks-, Hufen- und Marktzins; damit verlieren die Landesherren Berlin und Cölln als Grundeigentum und der bürgerliche Privatbesitz am städtischen Grund und Boden wird eingeführt. Außerdem erkauft sich Berlin den landesherrlichen Zoll, der in Köpenick von allen Holzflößen und Schiffen entrichtet werden muß, die zwischen Berlin und Fürstenwalde verkehren.
Ende 13. Jhr.
Berliner Bürger beginnen, Grundrenten, Liegenschaften und Gerichtseinkünfte auf dem Land zu erwerben (meist in Form von Lehen). Diese mehren sich deutlich während des 14. Jahrhunderts.
vor 1300
1. Bauabschnitt des Franziskanerklosters ist vollendet (Langhaus).
1300
Herzog Ernst von Sachsen wird im Franziskanerkloster beigesetzt.
20.03.1307
Berlin und Cölln vereinen sich ("Union"), bestätigt durch den Landesherrn, Markgraf Hermann dem Langen. Es wird ein gemeinsames Ratshaus auf der Langen Brücke (heutige Rathausbrücke) errichtet. Zu den ohnehin gemeinsamen Organen der Doppelstadt, wie gemeinsame Kaufmannsgilde oder einheitliche Kirchenorganisation, kommen jetzt weitere hinzu. Berlin und Cölln sollen dabei überall dort selbständig bleiben, wo es nützlich ist, außenpolitisch treten sie aber künftig als "Stadt Berlin" auf (z. B. in Verträgen). Das Größenverhältnis Berlin-Cölln bleibt lange Zeit 2:1. In der Urkunde sind unter anderem folgende Punkte aufgeführt:

1] Jede Stadt verfügt über einen eigenen Haushalt und eigenes Vermögen.

2] Berlin und Cölln behalten jeweils ihre selbständigen Innungen.

3] Die Polizeigerichtsbarkeit bleibt getrennt.

4] Es wird ein gemeinsamer, jährlich zu wählender Magistrat gebildet, der im neuen Rathaus tagt.

5] Der Magistrat besteht aus 12 Berliner und 6 Cöllner Ratsmannen.

6] Die Neuwahl der Berliner Ratmannen erfolgt durch die Cöllner Ratmannen und umgekehrt.

7] Zahlungen an den Landesherren werden gemeinsam bestritten.

8] Das Schöffengericht besteht aus vier Berliner und drei Cöllner Schöffen.

1308-1309
In Berlin wird der erste märkische Städtebund geschlossen.
1312
Auflösung des Templerordens; dessen Besitztümer im Raum Berlin und Brandenburg fallen dem Johanniterorden zu.
1. Hälfte 14. Jh.
2. Bauabschnitt des Franziskanerklosters (Chor) wird durchgeführt und der Kirchenbau vollendet.
ca. 1310-1316
Auf dem Grundstück der 1260 erwähnten "aula" wird der Sitz der askanischen und ab 1320 der wittelsbacher Landesherren errichtet: das "Hohe Haus" (20 m Frontbreite mit dreischiffiger Halle).
1317
Eine Bestätigung der Rechte und Freiheiten Berlins zeigt, dass die Doppelstadt bereits die Befreiung vom Vogteigericht erlangt hat; somit obliegt die Rechtsprechung für alle Streit- und Straffälle allein dem Stadtgericht. Desweiteren erwirkt Berlin die Befreiung von der Niederlage in Oderberg (d. h. Oderberg besitzt gegenüber Berlin kein Stapelrecht mehr).
1319
Die Brandenburgische Linie der Askanier stirbt mit Waldemar aus; es bricht ein Erbfolgekrieg aus, der bis 1324 die Mark erschüttert und mit einem Sieg der Wittelsbacher endet.
1323
König Ludwig der Bayer aus dem Geschlecht der Wittelsbacher belehnt seinen Sohn Ludwig den Älteren mit der Mark Brandenburg. Berlin ergreift Partei für die Wittelsbacher, da das "bessere Recht", nämlich das Reichsrecht, auf ihrer Seite stand.
1334
Eine Berliner Kleiderordnung verbietet, dass die Handwerksgesellen ohne Fuß- und Beinbekleidung auf die Straße gehen; sie arbeiteten oft nur mit einem Hemd bekleidet.
1335
Probst Nikolaus von Bernau, ein Gegner der Wittelsbacher, droht König Ludwig und all seinen Anhängern mit dem Kirchenbann, worauf er von den Berlinern erschlagen wird. Zur Strafe verhängt die Pabstkirche über Berlin den Kirchenbann; er bleibt bis 1347 Jahre bestehen. Zum Zeichen der Sühne sollen die Berliner vor der Marienkirche ein Steinkreuz errichtet haben.

Der Berliner Rat verfaßt eine Luxusordnung. [Text des Dokuments]

1338
Das Berliner Siegel zeigt einen auf allen Vieren laufenden Bären, mit dem brandenburgischen Adlerschild über ihm schwebend; der Schild ist ihm um den Hals gebunden.
1345
Die Berliner Bürgerfamilie Brugge erhält das Berlin-Cöllner Schulzenamt zu Lehen, einschließlich des landesherrlichen Anteils an den Gerichtsfällen.
1345
Ein erster gesamtmärkischer Landtag in Berlin lehnt die Steuerforderungen des Markgrafen Ludwig ab; es wird ein Bündnis und notfalls der bewaffnete Widerstand gegen diese beschlossen.
1346
In Berlin erheben sich Zunfthandwerker und andere oppostionelle Kräfte gegen die Ratsherrschaft der Patrizier. (In Stendal und Perleberg erheben sich ebenfalls die Zünfte.) Der Markgraf Ludwig nutzt die Chance und stellt sich auf die Seite der Berliner Handwerker: mit seiner Hilfe wird eine Zunftbeteiligung am Stadtrat durchgesetzt, doch im Gegenzug müssen die Berliner in den Bau einer Zwingburg einwilligen, auf das Bündnisrecht und freie Ratswahlen verzichten sowie die landesherrlichen Schulden erlassen; die Berliner Autonomie war gebrochen.
um 1347/1348
Kaiser Karl IV. benutzt den "Falschen Waldemar", einem angeblichen Spross des askanischen Geschlechts, um die Herrschaft der Wittelsbacher in der Mark zu brechen; Berlin hielt jedoch zu den Wittelsbachern.
1348
Schwere Pestwellen suchen die Schwesterstädte heim; es kommt außerdem zu ersten Judenverfolgungen (Juden leben seit etwa 1250 in Berlin und Cölln).
vor 1349
Der "Falsche Waldemar" führt ein Heer der Nachbarfürsten gegen Berlin (und Cölln). In Berlin brechen Kämpfe aus und die Stadt fällt. Das Patriziat stellt seine Alleinherrschaft wieder her und erkennt den vermeintlichen Askanier an.
1349
35 märkische Städte versammeln sich in Spandau, um die Treue zum "Falschen Waldemar" zu bekräftigen.
Sommer 1351
Der Wittelsbacher Ludwig der Ältere belagert Berlin und erzwingt eine Schuldbekenntnis des "Falschen Waldemars". Er stellt alle Rechte und Freiheiten der Stadt (vor 1349) wieder her.
Mitte 14. Jh.
Berlin und Cölln werden Mitglieder der Hanse, entwickeln aber wie Brandenburg und Frankfurt kaum hansische Aktivitäten.
1368
Berlin spielt eine führende Rolle als die Stände die Entfernung landfremder Stadthalter und Räte sowie die Teilnahme märkischer Herren und Städte an der Landesregierung erwirken.
1371-1373
Kaiser Karl IV. führt Krieg gegen die Mark.
1371-1373
Die Bürgermeister Tile Wardenberg und Albert Rathenow setzen im Stadtrat eine Berliner Beteiligung an der Verteidigung der Mark durch. Ein Berliner Truppenkontingent kämpft verlustreich gegen den mit dem Kaiser verbündeten Erzbischof von Magdeburg.
1373
Nachdem Karl IV. die Mark durch Kauf für das Haus Luxemburg erworben hatte, setzt er die Bürgermeister Wardenberg und Rathenow ab.
1375
Das Landbuch Karl IV. verzeichnet 41 Berliner Bürgerfamilien, die in 94 Dörfern des Berliner Raumes und der weiteren Umgebung über Lehns- oder Eigenbesitz an Bauernwirtschaften und Kossätenstellen verfügen. Diese bringen den Familien jährlich einen Wert von über 600 Mark Silber ein (in Naturalien oder Geld).
1376
Eine Feuersbrunst wütet in Cölln und dem älteren Teil Berlins.
1380
Der Berliner Teil wird erneut von einem schweren Brand heimgesucht. Da sich die Cöllner nicht am Wiederaufbau der niedergebrannten öffentlichen Gebäude Berlins finanziell beteiligen wollen, kommt es zum Bruch des 1307 geschlossenen Bundes von Berlin und Cölln; der gemeinsame Rat wird aufgelöst. Berlin wird vom Markgrafen für 5 Jahre von der Landesbede befreit.
1387
Der Berliner Stadtrat erwirbt die Pfandherrschaft über die Burg und Stadt Köpenick.
Ende 14. Jh.
Die wirtschaftlich stärksten Zünfte der Bäcker, Fleischer, Schuhmacher und Tuchmacher schließen sich als Viergewerke zusammen und grenzen sich somit von den anderen Zünften ab; sie können eine Vorrangstellung gegenüber den anderen Zünften durchsetzen.
Ende 14. Jh.
Berlin nimmt eine führende Rolle im märkischen Städtebund bei der Bekämpfung des Raubritterwesens ein.
1391
Der Berliner Rat kauft das Berlin-Cöllner Schulzenamt von der Berliner Bürgerfamilie Brugge. Weiterhin erwirbt er das Dorf Lichtenberg.
1391-1398
Der Berliner Rat läßt die städtischen Finanz- und Rechtsverhältnisse in einem Stadtbuch festhalten; es ist in niederdeutscher Sprache in Buchschrift auf Pergament geschrieben und mit Buchmalereien geschmückt. Unter anderem sind die Einkünfte Berlins, die Privilegien der Markgrafen und Zünfte und das geltende, dem Sachsenspiegel entsprechende, Berliner Zivil- und Strafrecht sowie Anschuldigungen gegen die früheren Bürgermeister Wardenberg und Rathenow aufgeführt. Als Zünfte sind Fleischer, Schuhmacher, Tuchmacher, Bäcker, Kürschner, Schneider und Schuhflicker angegeben.